Thomas Oesterle

Wortmeldung · Ratgeber · Motivation

Belohnen, ohne Druck

Sterne, Punkte, Fernsehzeit: Belohnungen fürs Lernen sind umstritten. Die Forschung sagt nicht einfach ja oder nein, sondern: Es kommt darauf an, wofür und wie.

Was Studien zeigen

  • Vorsicht bei Erwartetem: Erwartete, greifbare Belohnungen können die Freude an einer Sache senken, bei Kindern stärker als bei Erwachsenen. Ehrliches, positives Feedback steigert sie dagegen (Deci, Koestner und Ryan 1999, 128 Studien).
  • Hilfe bei Ungeliebtem: Bei Aufgaben, auf die kaum jemand von sich aus Lust hat, können Belohnungen Motivation und Leistung steigern. Vor allem dann, wenn sie an klare Ziele und echten Erfolg gebunden sind und nicht ans bloße Dabeisitzen (Cameron und Pierce).
  • Spielelemente: wirken beim Lernen im Mittel klein bis mittel positiv (Sailer und Homner 2020).
  • Mitentscheiden: Motivation trägt, wenn Kinder mitentscheiden dürfen, ihr Können wachsen sehen und sich verbunden fühlen (Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan).

Sechs Regeln, die sich bewährt haben

  1. Belohnen für Regelmäßigkeit und Können, nicht für abgesessene Minuten.
  2. Eine Tagesgrenze setzen: Pauken an einem Abend lohnt sich nicht, jeden Tag ein bisschen schon.
  3. Das Kind wählt sein Ziel aus einer Auswahl, die die Eltern festlegen.
  4. Nichts wird abgezogen. Eine gerissene Serie nimmt nichts weg, was schon verdient ist.
  5. Lob immer mit einem Satz, wofür genau.
  6. Mit der Zeit ausschleichen: größere Ziele, mehr Gewicht auf sichtbares Können und echte Noten.

Und wenn Spiele die Belohnung sind: auf die Altersfreigabe der USK achten.

So macht es Wortmeldung

Im Schatzbild wählt das Kind ein Ziel, das die Eltern angelegt haben. Das Bild liegt unter 24 Feldern und wird mit Sternen Feld für Feld aufgedeckt. Sterne gibt es fürs Lernen mit Abstand, mit Tagesdeckel. In der Schatzkammer gibt es Truhen mit offen sichtbaren Chancen: immer mit Gewinn, höchstens eine am Tag und nie käuflich. Eingelöst wird im echten Leben, durch die Eltern.

Jeder Baustein lässt sich im Eltern-Bereich einzeln ausschalten, das ganze Belohnungssystem auch. Lernen und Serie laufen dann ganz normal weiter.

Quellen

  • Deci, E. L., Koestner, R. und Ryan, R. M. (1999): A meta-analytic review of experiments examining the effects of extrinsic rewards on intrinsic motivation. Psychological Bulletin. doi:10.1037/0033-2909.125.6.627
  • Cameron, J. und Pierce, W. D.: A summary of the effects of reward contingencies on interest and performance (APA PsycNet).
  • Sailer, M. und Homner, L. (2020): The Gamification of Learning: a Meta-analysis. Educational Psychology Review.

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